Parler d’Europe

18.01.2019

Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau

Eine gemeinsame grenzüberschreitende Antwort auf die Herausforderung der Flüchtlingsaufnahme

Eins von 200 Kindern weltweit ist heute ein Flüchtlingskind. Vor diesem Hintergrund und der hohe Anzahl Ankünfte von Flüchtlingskindern und jugendliche Flüchtlinge seit 2015, engagieren sich zahlreiche Vereine, Verbände, Gebietskörperschaften, Stiftungen im Gebiet des Eurodistrikts Strasbourg-Ortenau. Ziel ist es, Aktionen zur besseren Integration diesen jungen Flüchtlingen umzusetzen. An der deutsch-französische Grenze hat der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau seit 2015 beschlossen, einen Flüchtlingsfonds für Jugendliche zu eröffnen.

Denn deutsche oder französische Akteure setzen manchmal Projekte oder Aktionen um, die Kinder und Jugendliche auf der anderen Seite des Rheins zugutekommen konnten. So ermöglicht der Flüchlingsfonds es, eine Synergie zwischen den Initiativen zu erreichen/zu kreieren und eine gemeinsame Antwort auf der Aufnahme und der Integration der Flüchtlinge jenseits der Grenze anzubieten.

Treffen mit Lauréline Flaux, Projektmanagerin (Bildung, Sport, Gesundheit, Soziales).

Der Eurodistrikt, eine „grenzüberschreitende Gebietskörperschaft“

Der Eurodistrikt ist als Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) konstituiert. Der Struktur ist französischem Recht unterworfen, denn ihren offiziellen Sitz in Straßburg liegt. Jedoch befinden sich die Büros des Generalsekretariats in Kehl.

Seit Dezember ist turnusgemäß den Straßburger Oberbürgermeister Roland Ries für die nächsten zwei Jahre zum neuen Präsidenten des Rates des Eurodistriktes gewählt worden. Frank Scherer, amtierender Landrat von Ortenau, wurde zum Vize-Präsidenten ernannt. Der Rat besteht aus 50 Kommunalpolitiker aus dem Eurodistrikt (25 Deutsche und 25 Franzosen). Dieser Rat, der gemeinsame Entscheidungen trifft, vergibt dem Eurodistrikt ein politisches Mandat, damit es gemeinsame Projekte durchführen kann.

Das Generalsekretariat Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau besteht aus dem Generalsekretärin Anika Klaffke, ehemalige Studentin des Masters, 4 Projektmanagerinnen, eine Referentin Öffentlichkeitsarbeit, eine Assistentin und eine Buchhalterin.

Was ist der Fonds für Flüchtlingskinder?

Dieser Fonds zielt dazu hin, Projekte oder Aktionen zu fördern, die der Integration Flüchtlingskinder und jugendlichen Flüchtlingen im Alter von 0 bis 25 Jahren im Gebiet des Eurodistrikts Strasbourg-Ortenau erleichtern. „Die Besonderheit dieser Fonds liegt darin, dass es nicht 100% deutsch-französisch ist. Die Vereine werden nicht unbedingt deutsch-französische Projekte auf die Beine stellen, denn die meisten jungen Flüchtlinge können die Grenze nicht überschreiten können, sie können  ihren Aufnahmeland nicht verlassen.“

Wie ist der Fonds entstanden?

Hinter diesem Projekt, der 2015 entstanden ist, steht der Stadt Strasbourg und die starke politische Mobilisierung Nawel Rafik-Elmrini, stellvertretende Bürgermeisterin Strasbourg, sowie für europäische und internationale Angelegenheiten als für Menschenrechte zuständig. In seiner Sitzung vom 3. Dezember 2015 hat der Rat des Eurodistrikts die Einrichtung des Fonds beschlossen.

Welche Art von Projekten oder Aktionen können vom Fonds gefördert werden?

„Es handelt sich nicht um strukturiende Projekte für das Gebiet des Eurodistrikts Strasbourg-Ortenau.“ Hauptziel ist es, konkrete Massnahmen zur Erleichteung der Integration jungen Flüchtlinge zu fördern, indem sie positive Erfahrungen ermöglichen, im Gegensatz zu den oft traumatisierenden Erlebnissen. Die verwendeten Mittel können vielfältig sein: kulturelle Aktivitäten, spielerisches Erlernen der Sprache (Metallurgie- oder Radautonomieworkshops zum Beispiel).

Die Akteure, die wir gelegentlich der Projektbörse getroffen haben und deren Projekte vom Flüchtlingsfonds des Eurodistrikts gefördert wurden, vermerken alle, dass der Antragsverfahren und Begleitung vom Eurodistrikt sehr erleichtert sind, im Gegensatz zu anderen Förderungsmitteln, die schwieriger zu erhalten sind.

Fokus auf: KorresponDanse

KorresponDanse ist ein Projekt, der seit 4 Jahre läuft. Zwei Vereine, eine auf deutsche Seite, der andere auf französische Seite, „entwickeln gemeinsam eine Choreografie“ mit jungen Flüchtlingen. Die sozialen Netzwerke und Videos ermöglichen den zwei Vereine den Austausch über die Fortschritte des Projektes. Da der Flüchtlingseigenschaft es rechtlich nicht ermöglicht, die Grenze zu überqueren, findet der physischen Begegnung, um der Choreographie auszuführen, auf der Brücke der zwei Ufer, an der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, statt. Dieser Ort verleiht diesem ersten Treffen eine sehr stark symbolische Dimension.

Auf diese Weise ermöglicht der Flüchtlingsfonds es, « das Gebiet als Grenzgebiet lebendig zu machen », über dem rechtlichen Verbot für jungen Flüchtlingen, der Grenze zu überqueren.

Aktuelle Situation. Welche Zukunftsaussichten?

Der Betrag dieses Fonds ist von 30 000 Euro im Jahr 2016 zu 50 000 Euro in den Jahren 2017 und 2018 erhöht worden. Die der Projekte jeweils zugeteilten Finanzierungen dürfen jedoch die Summe von 2 500 € nicht überschreiten. Von 2016 bis 2018, ist die Anzahl geförderten Projekten ebenfalls angestiegen. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 17 Projekte gefördert, zwei Jahre später stieg die Zahl auf 28. Das bedeutet also auch, dass zwar die Gesamtzahl der unterstützen Projekte angestiegen ist, diese jedoch jeweils weniger Subventionen aus dem Fonds erhalten haben.

Von nun an reicht die angesprochene Altersgruppe von 0 bis 25 Jahren (zuvor 18 Jahre). Begründet wird es, wie die Akteure betonen, durch die Tatsache, dass „Notwendigkeit der Integration (unter anderem und insbesondere durch das Erlernen der Sprache) auch die ältere Altersgruppe betreffe“. Die Wahl dieses jungen Publikums ist integraler Bestandsteil eines politischen Willens, die auf lokaler sowie auf grenzüberschreitende Ebene auf Jugendliche ausgerichtet ist.

Die Erneuerung des Fonds im Jahr 2019 und die Erweiterung des Zielpublikums zeigen somit, dass es ein „echter Bedarf“ gibt, die Projekte umzusetzen. So wird auch weiterhin eine bessere Integration junger Flüchtlinge gewährleistet.

Grenzüberschreitende Projektbörse für Jugend- und Flüchtlingsakteure – Eurodistrikt Straßburg-Ortenau, am Dienstag, den 13. November 2018 in der Maison du Jeune Citoyen in Schiltigheim.

Diese grenzüberschreitende Veranstaltung, an der wir teilgenommen haben, bildete die Abschlusszeremonie des Fonds des letztens Jahres und ermöglichte es, 7 vom Eurodistrikt finanzierte Projekte hervorzuheben. Ziel der Vorstellung war es, Synergieeffekte zwischen den Akteuren zu schaffen, sowie die Finanzierungsmöglichkeiten für grenzüberschreitende Aktionen und Projekte vorzustellen.

Ehrenamtliche Arbeit und die durchgeführten Maßnahmen wurden begrüßt: Die Integration junger Menschen bilde ein „strategisches Element“ der Kommunalpolitik, wie Nawel Rafik-Elmrini es betonte.

Alle anwesenden Akteure haben die Zugänglichkeit des Jugend- und Flüchtlingsfonds und die Qualität der Unterstützung im Laufe der Einrichtung und Durchführung der jeweiligen Projekte durch den Eurodistrikt hervorgehoben.

Maud SAVARIT, Flore SCETBON – 13. Januar 2019

Welche Finanzierungsmöglichkeiten für grenzüberschreitenden Projekten und
Jugendarbeit gibt es am Oberrhein? *

  • Fonds für Flüchtlingskinder, Eurodistrikt Straßburg-Ortenau
  • Projektförderung, Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau: Das Projekt muss grenzüberschreitend und zweisprachig sein, der Projektträger muss sich im Gebiet des Eurodistriktes befinden und das Budget muss zwischen dem französischen und dem deutschen Partner aufgeteilt sein.
    Beispiele solche Projekte sind: das deutsch-französische Theater BAAL Novo, die Leichtathletik-Meisterschaften des Eurodistrikts, ein Freizeitfahrplan für Ausflüge über denRhein.
  • Schulfonds für Zweisprachigkeit, Eurodistrikt Straßburg-Ortenau: Dieser Fonds zielt darauf hin, grenzüberschreitende Schüleraustausche, sowie Projekte, die die Zweisprachigkeit der 12 bis 25-Jährigen fördern zu unterstützen. Im Dezember 2018 wurde der Fonds der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau für Schulen auf seinem Gebiet von 30.000 € auf 50.000 € erhöht. Die Förderung beträgt pro Projekt maximal 5 000 €.
  • Kleinprojektefonds, INTERREG: Die geförderten Projekte sollen auf eine bessere Miteinbeziehung der Zivilgesellschaft im Bereich grenzüberschreitenden Kooperation auf dem Gebiet des Eurodistrikts abzielen. Der Eurodistrikt hilft hier bei der Durchführung und Konzeption des Projektes. Ebenso begleitet er die Projektträger im Laufe des Projektes.
  • Jugendprojektfonds der Oberrheinkonferenz: Dieser Fond zielt daraufhin, grenzüberschreitende Projekte von und für Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren am Oberrhein zu fördern. Der Förderungsbetrag darf 4000€ nicht überschreiten.
  • Das Deutsch Französische Jugendwerk (DFJW): Ziel des geförderten Projektes muss es sein, die deutsch-französische Freundschaft und
    Zusammenarbeit zu fördern. Das DFJW arbeitet mit unterschiedlichen Akteuren zusammen, um jungen Leuten ein breit gefächertes Kulturangebot zu bieten.
    Projekte können die Formen von Treffen, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen aber auch Kino, Tanz, Wissenschaft und Theater annehmen. Zielpublikum sind Jugendliche im Alter von 3 bis 30 Jahren.

*Wir beschränken hier uns auf dieses spezifische Publikum. Für weitere Informationen zu andere Zielpubliken verweisen wir auf der Finanzierungsleitfaden Oberrhein, vom Oberrheinkonferenz veröffentlicht.

Erfahrungsbericht einer ehemaligen Studentin

Lauréline ist Absolventin des deutsch-französischen Studiengangs der Partneruniversitäten Sciences Po Rennes und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Für sie sind Vielseitigkeit und Flexibilität entscheidenden Eigenschaften zur Arbeit im grenzüberschreitenden Bereich. Lauréline merkt ebenfalls an, dass das Pflichtpraktikum im letzten Semester sowie die erste Stelle „einiges bestimmen können“.

By |2019-02-24T00:05:20+00:00February 23rd, 2019|CONTENT, Groupes de travail, rapportgroupe|0 Comments